Vor Ort in der Mr.-Wilson-Halle

Rebellisch und künstlerisch: Westdeutsche Meisterschaft der Skateboarder fand in Kassel statt

Jede Sportart hat ihre eigene Kultur – das Skateboarding eine ganz spezielle. Wild, fast schon rebellisch, ein wenig chaotisch und künstlerisch angehaucht. Wir waren vor Ort bei der Westdeutschen Regionalmeisterschaft in der Mr. Wilson Skatehalle in Kassel.

Es scheint ein schmaler Grat zwischen Sport und Kunst zu sein. Vielleicht eine Mischung aus beidem – das ist Skateboarding. In einer Welt, in der Anpassungsfähigkeit gefragt ist, fällt es ein wenig aus dem Raster. Und auf eine ganz spezielle Art verkörpert dieser Sport, diese Kultur, diese Kunst ein Stückchen Freiheit. Unangepasst und mit keinem anderen Sport so wirklich vergleichbar. Ein Paradies für selbst ernannte Anti-Spießer. Und trotzdem offen für fast alles.

Die Jungs und Mädels, die hier auf dem Skateboard durch die 1000 Quadratmeter große Halle fahren, strahlen eine enorme Leichtigkeit aus. Das Skateboard wirkt bei ihnen fast wie ein zusätzlicher Körperteil. Die Kunststücke sehen so einfach aus – aber allein die Balance auf einem Skateboard zu halten, erfordert viel Übung. Stürze gehören dazu. Es ist eine Parallele zum Leben: Aufstehen, weitermachen.

„Zuschauer sind nicht versichert“ steht an fast jeder Ecke – handschriftlich auf einem Blatt Papier, versteht sich. Mobb Deep und Creedence Clearwater Revival dröhnen unter anderem aus den Lautsprechern. Allein die musikalische Begleitung ist ein Paradebeispiel für die Vielfalt, die hier geboten wird. Es herrscht eine lockere, fast schon freundschaftliche Atmosphäre. Es ist ein Contest mit einer gehörigen Prise Charme. 26 Teilnehmer, davon vier Frauen, stellen in Läufen von 45 beziehungsweise 60 Sekunden ihr Können unter Beweis. Eine fünfköpfige Jury, die auf einer Quarterpipe Platz genommen hat, bewertet diese Runs (Läufe). Es geht darum, die Flips und Grinds – oder einfach die Tricks – so sauber wie möglich auszuführen. Schützer oder Schoner sieht man gar nicht. Nur einer der jüngeren Teilnehmer hat einen Helm auf.

Den Sprung ins Halbfinale schafft Sebastian Flügel, er kommt aus Melsungen. Ein etwas weiteres T-Shirt, lockere Hose und schwarze Vans – der typische Skater. Er ist erst 20 Jahre alt und bereits seit acht Jahren dabei. „Ich bin über meinen Vater zum Skateboarding gekommen. Mir hat die Szene gut gefallen“, sagt er. Mit dem Einzug ins Semi-Finale hat er sich schon das Ticket für die Deutsche Skateboard Meisterschaft in Düsseldorf gesichert.

Genauso wie Alex Denkiewicz aus Kassel und Viktor Riemer aus Baunatal. Gerade der 24-jährige Riemer ist während der Veranstaltung einer der Auffälligsten. Als cool und lässig könnte man ihn beschreiben. Oberkörperfrei macht er einen 360-Flip nach dem anderen – ein verschmitztes Lächeln ist sein Markenzeichen. Er belegt am Ende Platz zwei in der Gesamtwertung und ist damit der Westdeutsche Vizemeister.

Den ersten Platz bei den Männern ergattert sich Alexander Ullmann aus Gießen. Die 17-jährige Irina Butenko aus Fulda wird Westdeutsche Meisterin bei den Frauen.

Aber dass es bei dieser Meisterschaft primär um Leistung oder Konkurrenzkampf geht, wird nie wirklich deutlich. Und gerade das macht das Skateboarding so sympathisch.

Von Raphael Wieloch

HNA ONLINE – https://www.hna.de/sport/regionalsport/sport-kassel-sti248130/rebellisch-und-kuenstlerisch-westdeutsche-meisterschaft-skateboarder-fand-in-kassel-statt-12529168.html?fbclid=IwAR2GmGPPKxOj8MLd_p1nzdJjDr8qhEctrzab7mU9sPDc5Sx58nwjvTKzR6Y

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